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Grün =  Gras = Gras? – Was frisst mein Pferd da eigentlich? Hufrehe und anderen Zivilisationserkrankungen vorbeugen durch richtiges Weidemanagement Pferdebesitzer machen sich viele Gedanken über die Ernährung ihres  Tieres.  Aus der reichhaltigen Auswahl an Müslimischungen und Futterzusätzen,  die es auf dem Markt gibt, versucht jeder das passendste für sein Pferd auszusuchen, und achtet dabei natürlich auch auf Qualität, Inhaltsstoffe und Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch die wenigsten machen sich Gedanken darüber, was im Gras bzw im Heu enthalten ist, obwohl dies doch einen viel viel wesentlicheren Teil der Pferdeernährung ausmacht.  Und hierbei geht es nicht nur um die Qualitätsprüfung des Heus, das nicht staubig und schimmelig sein sollte, was zumindest den meisten noch geläufig ist.  Es geht um PflanzenARTEN. Dieser Artikel soll Pferdebesitzern helfen zu lernen, eine Auswahl an vorkommenden  Wiesengräsern und –kräutern bestimmen zu können, so dass sie in der Lage sind, Heu und Weide nach  deren Artenvielfalt zu beurteilen.  Besonders wichtig  ist dies im Bezug auf stark genutzte Weiden. Mähwiesen erhalten sich meist eine gewisse  Artenvielfalt, da sie nicht überstrapaziert werden durch Pferdehufe und-zähne. Leider  zeigen die meisten Pferdeweiden heutzutage folgendes Bild: das Gras kurzgenagt bis auf wenige Zentimeter, außer an den Geilstellen.  Die kurzgefressenen Stellen beherbergen genau drei Arten : Wiesenrispe,  Deutsches Weidelgras und  massenhaft Weißklee. Diese gehören zu den wenigen Arten, die viel Verbiss und Vertritt vertragen, alles andere wird verdrängt. Dies liegt wiederum daran, dass das Platzangebot für Pferde meist begrenzt ist, zudem haben die meisten Pferdebesitzer auch gar kein Interesse daran, ihr Pferd in die endlose Weite oder in hohes Gras zu stellen. Die Weiden sind übernutzt, und haben mit einer gesunden Vielfalt nichts mehr zu tun. Andererseits findet man neueingesäte Weiden, die zu 99% aus Deutschem Weidelgras bestehen, also Monokulturen. Das liegt daran, dass es in handelsüblichen Saatgutmischungen den allergrößten Teil ausmacht und zusätzlich, insbesondere in den ersten Jahren nach der Aussaat, einen Vorteil gegenüber anderen Gräsern hat. Hochleistungsfutter für Wohlgenährte Nun, was hat es mit diesen drei Pflanzenarten auf sich? Sie sind sehr widerstandsfähig und enthalten viele verwertbare Kohlenhydrate, wenig Rohfaser und im Fall des Klees besonders viel Eiweiß. Dies macht sie sehr beliebt bei Rinderzüchtern, dessen Tiere massenhaft Fleisch und Milch produzieren müssen, und damit auch bei  Saatgutherstellern.  Sie sind auch beliebt bei Warmblutzüchtern,  deren Pferde aufgrund von Wachstum und Laktation einen hohen Eiweißbedarf haben, oder den Haltern von Sportpferden, die täglich zwei bis drei Stunden auf die Weide gehen - eine Haltungsform, die in Deutschland wesentlich länger Tradition hat, als die hobbymäßige Haltung von Robustrassen, die, den ganzen Tag draußen sein sollen und eher wenig geritten werden. Im Gegensatz dazu steht der Fakt dass, wie wir ja alle wissen, das Pferd seiner Natur gemäß über den ganzen Tag verteilt, ein karges, rohfaserreiches Futter aufnehmen soll, und nicht zu dick werden soll, um gesund zu bleiben. Bei zu wenig Bewegung  und zu kohlenhydratreicher Nahrung drohen Hufrehe und Muskelerkrankungen, zuviel Eiweiß  verursacht Blähungen, Stoffwechselprobleme und verschlimmert z.B.  das Sommerekzem. Einseitige Ernährung statt Kräutermenü? Darüber hinaus ernährt sich das Wildpferd in freier Natur auch nicht  nur von drei Pflanzenarten, sondern sucht sich aus einer natürlichen Artenvielfalt aus, was für es geeignet ist und was es gerade benötigt, um seinen Bedarf an Energie, Rohfaser, Spurenelementen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen, Aminosäuren usw. zu decken.  Dazu gehören neben Gräsern Kräuter, Blätter von Bäumen, Schilf,  Wurzeln, Samen und auch Mineralien aus der Erde. Demnach wären Arten, die auf einer heutigen Pferdeweide begrüßenswert wären,  zum einen Pflanzen, die das Pferd gar nicht so gerne mag, wie etwa das wollige Honiggras oder der bitter schmeckende Glatthafer.  Die Pferde würden mehr Zeit mit selektieren verbringen und langsamer fressen. Zum anderen wären das wohlschmeckende,  rohfaserreiche Gräser wie z.B. Knaulgras und Wiesenlieschgras. Außerdem mineralstoffreiche Kräuter wie Spitzwegerich, stoffwechselanregende wie Löwenzahn und vieles mehr. Eine artenreiche Weide bietet dem Pferd die Möglichkeit zu selektieren und nicht zu viel von einer ungesunden Pflanzenart aufzunehmen, wozu es sein Hunger aber zwingt, wenn es die Wahl nicht hat. So ist auf den natürlichen Instinkt dann kein Verlass mehr, selbst wenn  hochgiftige Pflanzen , wie das Jakobskreuzkraut auf der Weide auftauchen.  (Zu der Giftigkeit von gewöhnlichen Weidegräsern lesen sie hier weiter.) Qualität vor Quantität Würde man allerdings nur pferdefreundliche Gräser und Kräuter auf seiner Weide aussähen, und die Besatzdichte mit Pferden weiterhin wie üblich weit über zwei Tieren pro Hektar ansetzten, und diese den ganzen Sommer über oder gar  das ganze Jahr den ganzen Tag darauf weiden lassen, hätte man innerhalb kurzer Zeit ein Problem. Entweder würden sich Weidelgras, Wiesenrispe und Weißklee von  benachbarten Weiden ansiedeln und alles andere verdrängen, wodurch sich oben beschriebener Zustand doch wieder einstellen würde. Oder aber man hat gegen  Mitte bis Ende des Sommers keine grüne Wiese mehr sondern eine gelbe, verdörrte Steppe. Letzteres würde vielen hufrehegeplagten Ponybesitzern sicherlich noch nichtmal was ausmachen. Wohl aber den Landwirten und jenen Behörden, die dafür Sorge tragen, das Grünland auch Grünland  im wahrsten Sinne des Wortes bleibt.  Dass die Weidelgras- bzw. Klee-Monokultur ökologisch genausowenig Sinn macht wie von Pferden Kaputtgetrampeltes artenreiches Land, scheint hier leider nicht zu interessieren.  Darüber hinaus sind ja auch nicht alle Pferde zu dick,  und verständlicherweise wünschen sich viele Pferdebesitzer grüne Weiden, auch um nicht während der Weidesaison Heu zufüttern zu müssen. Gras darf keinen Stress haben Das Problem mit der Artenarmut wird noch dadurch verschlimmert, dass Pferde, die scheinbar nicht viel Gras vertragen, trotz vorhandenenem Platzangebot gezielt  auf extrem kurzgenagte Weiden gestellt werden.  Diese Tiere fressen nun genau die für sie ungünstigen Arten und hiervon auch noch die fruktanreichsten, rohfaserärmsten Pflanzenteile, nämlich Blattbasis und Halm.  Zudem handelt es sich hier durch die Überbeweidung um „gestresstes“ Gras, das vermehrt Fruktane und Endophytengifte bildet. Ein Teufelskreis, der aus Unwissenheit entsteht. Bis sich solch eine übernutzte Weide erholt und sich andere Arten wieder in ausreichendem Maße angesiedelt haben, dauert es mindestens zwei  Jahre der Ruhe, Abwesenheit von Pferden und von Dünger.  Es lohnt sich aber auf jeden Fall, einem Teil seiner Flächen einmal zwei Jahre Schonzeit einzuräumen.  Schon bald kann man beobachten, wie sich der Bewuchs ändert. Hat man einmal angefangen, sich mit Gräserarten zu beschäftigen, wird man über jede neu entdeckte Art auf seiner Weide begeistert sein.  Und natürlich über die Gewissheit, sein Pferd bald nicht mehr so furchtbar einseitig ernähren zu müssen. Maßnahmen zum Erhalt artenreicher Weiden:     Extensive Weidewirtschaft.  Verfügt man über genug Land, d.h. etwa ½ ha pro Pferd, ist das sowieso kein Problem. Ist der Platz knapp, muss die Weidezeit pro Tag  begrenzt werden. Auslauf bekommen die Pferde im Idealfall auf einem unbewachsenen Paddock, wo ihnen Heu in Raufen oder Netzen zur Verfügung steht. Wenn kein Paddock vorhanden ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als einen Teil seiner Weide zu übernutzen, was sicherlich immer noch besser ist, als die Tiere einzusperren.  Dabei ist aber extrem wichtig, dass man hier Heu zufüttert, damit die Pferde nicht gezwungen sind, allzuviel von dem kurzen Gras aufzunehmen.  Es ist interessant zu beobachten, wie die Pferde, hat das Gras eine gewisse Länge unterschritten, Heu bevorzugen.  Bekommen sie dieses nicht, fressen sie aus Hunger was nicht gut für sie ist.     Bei Neuansaat keine Rinder-Grasmischungen verwenden, sondern z.B. fruktanarme Pferdeweiden- mischungen oder noch besser, sich die Mischung selbst zusammenstellen und dabei auf Weidelgras und Klee verzichten. Diese  erscheinen schneller, als einem lieb ist.     Bei Nachsaaten kein  Deutsches Weidelgras verwenden, sondern mit Arten ausgleichen, die auf Pferdeweiden leichter verdrängt werden. (insbesondere Obergräser)     Alle paar Jahre ein Schonjahr für jede Weide einlegen. Dies bringt wesentlich mehr als die wechselweise Schonung für einige Wochen. Klee lässt sich nur verdrängen, wenn die Gräser um ihn herum hoch genug werden, so dass er nicht mehr genug Licht bekommt.     Nutzung im Wechsel mit Heugewinnung oder Beweidung durch Rinder     Pferde erst ab Mitte der Blüte auf die Weide lassen (Anfang Juni), dies zumindest mit einem Teil der Weiden, im jährlichen Wechsel, so handhaben.  Das Absamen ist für viele Arten extrem wichtig und man spart sich so auch die kostspielige Nachsaat. Kippendes Gras? Oft hört man das Argument, dass man die Weiden nicht zu hoch wachsen lassen soll, weil das Gras dann umkippt und dann nicht mehr gefressen wird und sogar fault. Dies stimmt nur für unnatürliche Weiden, die z.B. nur aus Deutschem Weidelgras bestehen.  Eine natürliche Wiese besteht aus Ober- und Untergräsern, also wie ein Wald aus mehreren Stockwerken.  Untergräser  wachsen niedrig und vermehren sich teilweise durch Ausläuferbildung. Sie sind eher weich und saftig, während die Obergräser einen  höheren Wuchs haben und früher  und stärker verholzen. So bilden letzere eine stabile Struktur, die auch den umstehenden Bewuchs am Kippen hindert.  Die Obergräser, zu denen  z.B.  das Wiesen-Lieschgras, Knaulgras und Glatthafer gehören, vertragen die starke Beweidung durch Pferde leider nicht so gut wie Weidelgras, Wiesenrispe und Rotschwingel , die zu den Untergräsern gehören. Obergräser findet man deshalb oft nur auf Mähwiesen. Dass sie den Pferden dann zumindest in Form von Heu zugute kommen (sie sind nämlich aufgrund ihres höheren Rohfasergehaltes nicht solch ein Mastfutter wie die meisten Untergräser) ist nur ein schwacher Trost, deshalb sollte man versuchen, sie auch  auf der Pferdeweide zu erhalten, durch nicht zu starke Beweidung und gezielte Nachsaat. Nur eine gesunde Weide kann Weidetiere gesund ernähren! Für Pferde geeignete Gräser, die für Neuansaat und /oder Nachsaat  empfehlenswert sind, sind z.B.: Als Untergräser: rotes und weißes Straußgras, Ausläuferrotschwingel,  in Maßen ggf auch Wiesenrispe Als Obergräser : Knaulgras, Wiesenlieschgras, Wiesenfuchsschwanz Erwünschte Wildgräser, die sich bei Schonung von selbst ansiedeln sind u.a.: Wolliges Honiggras, Trespe, Glatthafer Pferdegeeignete Kräuter auf der Weide:  Löwenzahn, Mariendistel, Beifuss, Kümmel, Gemeiner Fenchel, Gemeine Pastinake, Wegwarte, Spitzwegerich, Gemeine Schafgarbe, Wiesenkerbel, Bibernelle, Wilde Möhre,  Klettenlabkraut, Kamille, Vogel-Wicke, Vogelmiere u.v.m. Für Pferde in großen Mengen ungeeignete Pflanzen, die sich von alleine mehr als genug ausbreiten: Deutsches Weidelgras, Wiesenschwingel, Rohrschwingel, (Wiesenrispe), Rotklee und Weißklee siehe auch unter Weidegräser und deren Fruktangehalt und Kräuter zum Selbstsammeln oder auf der Weide Für für Pferde giftige Pflanzen, wie das Jakobskreuzkraut, die Herbstzeitlose oder Fingerhut, verweise ich auf die zahlreich vorhandenen Giftpflanzendatenbanken.
Akupunktur und Naturheilkunde für Pferde im Raum Köln - Düren - Aachen - Eifel