Futteraufnahmeverhalten Fressen bedeutet für das Pferd viel mehr als nur die Deckung des Nährstoffbedarfs. Von der Art und besonders der Dauer der Futteraufnahme hängt wesentlich das psychische Wohlbefinden des Pferdes ab! Trotz jahrhundertelanger Domestikation und Zucht haben sich weder der Verdauungsapparat noch das instinktive Verhalten des Pferdes wesentlich verändert. Lediglich die Verwertung der Nahrung hat sich bei Pferden, die nicht den sogenannten Robustrassen angehören, dahingehend verändert, dass sie eine größere Energiezufuhr benötigen. Das Verhalten domestizierter Tiere könnte man im Vergleich zu dem ihrer wilden Vorfahren als „abgestumpfter“ bezeichnen. Ihre Sinne sind nicht mehr so scharf und sie reagieren auf Umweltreize nicht mehr  so schnell mit Angst, Flucht und Aggression. Darauf sind sie vom Menschen bei der Zucht selektiert worden und sind dadurch besser an ein Zusammenleben mit ihm angepasst. Ansonsten  entsprechen das Verhalten, die Körpersprache und die Bedürfnisse des Hauspferdes dem des Wildpferdes. Deshalb macht es auch Sinn, bei der Haltung und Ernährung des Pferdes sich so weit wie möglich an der Lebensweise der Wildpferde zu orientieren. Zu seiner Nahrung gehört in erster Linie Gras, aber auch Schilfpflanzen, Laub, Baumrinde, Zweige, Kräuter, die es sich je nach Bedarf sucht. Mit Hilfe seiner beweglichen Lippen prüft und selektiert es das Futter genau. Versehentlich aufgenommene ungenießbare Blätter werden seitlich aus dem Maul herausfallen gelassen, ohne dabei auch nur einen Grashalm zu verlieren. Auch die Feinmotorik der Kopfgelenke ist äußerst präzise  und ermöglicht Geschicklichkeit bei der Abbeiß- bzw. Rupfbewegung. Die Weiden der wildlebenden Pferde bestehen aus verteilten Fresstellen, an denen sich die Tiere das Gras kurz halten (das kurze Gras ist energie- und eiweißhaltiger als Überständiges) sowie aus Geilstellen, die den Tieren als Toilette dienen und deren hochgewachsenes Gras sie nicht anrühren. Die Wasserstelle wird, je nach Entfernung, ein- oder mehrmals täglich aufgesucht. Bei der Futteraufnahme, die in erster Linie vom Boden erfolgt, bewegt sich das Pferd ständig vorwärts. So verbringt es in freier Natur bis zu 16 Stunden am Tag. Dass auch die heutigen Hauspferde körperlich und psychisch auf dieses natürliche Fressverhalten eingestellt sind, zeigt sich auf folgende Weise:     Das Sättigungs- oder Hungergefühl wird beim Pferd nicht wie beim Menschen durch den Magenfüllungsdruck reguliert. Deshalb kommen auch nach dem Weideauftrieb im Frühjahr oder nach Einbruch in die Futterkammer lebensgefährliche Magenüberladungen bis hin zur Magenruptur vor. Stattdessen ist das Pferd offensichtlich erst dann „gesättigt“, wenn es eine bestimmte Anzahl von Kauschlägen getätigt hat. Um ein Kilo Heu zu fressen, braucht ein Großpferd etwa 40 Minuten, für ein Kilo Getreide nur 10 Minuten. Dass heißt, dass ein Pferd, dessen Energiebedarf durch Kraftfutter gedeckt worden ist, keineswegs zufrieden ist. In der Box wird es sich für viele Stunden am Tag der Stroheinstreu widmen, ist diese nicht vorhanden, knabbert es die Boxentür an oder aber es entwickelt mangels Beschäftigung ernsthafte psychische Probleme mit Verhaltensstörungen wie weben, koppen, im Kreis laufen, Resignation. Noch größer als nur das reine Kaubedürfnis ist aber das Bedürfnis zum Grasen. Selbst stark gesättigte Pferde, fangen, aus dem Stall auf die Weide gelassen, sofort oder nach kurzem Austoben damit an, besonders wenn sie durch grasende Artgenossen dazu animiert werden. Ganztägig auf der Weide gehaltene Pferde überfressen sich jedoch nicht, sie können ihr Grasebedürfnis stillen und legen regelmäßig Fresspausen ein, immer zu den gleichen Tageszeiten.     Die Schrittbewegung, die das Pferd beim Grasen ausführt, regt die Darmmotorik an. Dies ist besonders zu beachten bei Boxenpferden, die viel Stroh fressen, hier ist die Gefahr einer Verstopfungskolik erhöht.  Auch sonst ist die Fortbewegung der Gesundheit dienlich, siehe unter Bewegung.     Beim Grasen wird das Nackenrückenband gedehnt, die Wirbelsäule aufgewölbt und die Wirbelgelenke durch die Ausrupfbewegungen sanft traktiert, was Verspannungen der Nackenmuskulatur verhindern kann.     Pferde, die ihr Futter nicht selbst abrupfen, sollten zumindest vom Boden fressen. Nur bei dieser Körperhaltung stehen Ober- und Unterkiefer genau übereinander und können gleichmäßig abgenutzt werden. Bei hoher Kopfhaltung steht der Unterkiefer etwas weiter zurück und der hintere Teil des letzten Backenzahns würde, nicht abgenutzt, einen Haken ausbilden, der sich, besonders in der Beizäumung schmerzhaft bemerkbar macht. Bei der Zahnabnutzung spielt auch die Größe der Futterteile eine Rolle: nur bei langen Halmen vollführt der Unterkiefer seinen vollen Mahlausschlag. Getreidekörner, die auf den Zähnen liegen, würden hierbei herunterfallen, also sind die Kaubewegungen verkürzt. Ein Mangel an Rauhfutter bedingt also die Bildung von Zahnspitzen oben außen und innen unten, die ins Zahnfleisch oder die Zunge schneiden. Die Schneidezähne werden nur beim Abbeißen, also beim Grasen abgenutzt. Diese dürfen nicht zu lang werden, da sonst die Backenzähne nicht mehr in Reibung kommen. Unter Umständen muss also ein Pferd, das viel Zeit mit der natürlichen Nahrungsaufnahme verbringt, seltener vom Pferdezahnarzt behandelt werden.     Die tiefe Kopfhaltung und das mehrfache Abschlucken dabei ist außerdem wichtig, damit das Luftsacksekret abfließen kann. Der Luftsack ist beim Pferd eine Erweiterung der Verbindung zwischen Mittelohr und Rachenraum. Sammelt sich Schleim hier an, kann das zur Enzündung führen. Fazit: Ein Pferd braucht mehrstündigen Weidegang und /oder rohfaserreiches, langhalmiges Heu, das zu fressen es insgesamt mindestens sechs Stunden am Tag braucht. Wird Heu nicht zur ständig freien Verfügung gefüttert, sollte Stroh immer zugänglich sein.    
Home Zur Person Behandlungsmethoden Anwendungsgebiete Angebot Kontakt Links Ernährung Horsemanship Krankheiten Hufe
Ratgeber
Impressum (c) Margitta Sharma 2012, all rights reserved
Akupunktur und Naturheilkunde für Pferde im Raum Köln - Düren - Aachen - Eifel